Die Commanderie van St. Jan

Im Zentrum von Nimwegen, jedoch abseits der vollen Einkaufsstraßen, liegt die Commanderie van St. Jan, ein Ort, an dem Menschen in aller Ruhe gutes Essen und Trinken genießen können. Nicht verwunderlich für ein Baudenkmal, das vor mehr als 800 Jahren begonnen wurde, um reisenden Pilgern Unterkunft zu bieten, um auszuruhen und Kräfte zu sammeln. Seitdem hat sich einiges getan und das Gebäude sich mehrmals verändert:

Vom Hospital…

Die Geschichte der Commanderie beginnt 1196, als Graf Alardus und seine Frau Uda an diesem Ort ein Hospital (Pilgerhaus) bauen lassen.  1214 fällt das Gebäude an die Johanniter, einem Ritter- und Klosterorden, der u.a. an den Kreuzzügen teilnahm und sich um Pilgerreisende kümmerte. Sie gründen hier ein Kloster und Pilgerhaus. An der Spitze des Kloster steht der Kommandeur, daher der Name: Kommandantur des Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes von Jerusalem, oder kürzer auf niederländisch: Commanderie van St. Jan.

1495 zählt das Kloster 11 Betten, von denen 9 für Klosterschüler und Personal. Das Hospital ist damals also nicht sonderlich groß. Auf dem Dachboden wird allerdings eine große Menge Hopfen gelagert; wahrscheinlich wurde in diesem Mauern also schon vor 500 Jahren Bier gebraut!

1530 schenkte Karl V. dem Orden die Insel Malta, seitdem nennt der Orden sich auch Malteserorden. Das passte gut: Weil die Commanderie nun neutrales, maltesisches Gebiet ist, wird sie von den aufkommenden Protestanten in Ruhe gelassen. Die Voraussetzung dafür war allerdings, dass sie einen protestantischen Prediger aufnahmen. Die Johanniter stimmen zu, aber bevor die neue Kanzel fertiggestellt werden konnte, werden die Protestanten aus der Stadt gejagt, als Vergeltung für den Bildersturm. Eine Gruppe tatkräftiger, katholischer Frauen schleppt die Kanzel zum ‚Blauen Stein‘ auf dem Markt, wo sie zerstört und verbrannt wird. Die Johanniter unternehmen auffällig wenig.

 

…über Schule, Kaserne, Kirche…

Danach bricht für die Johanniter eine schlechte Zeit an. Sie müssen zusehen wie erst spanische Soldaten, dann eine neue protestantische Kirche und sogar eine Metzgerei in ihr Kloster einziehen. Durch verschiedene Kriege verfällt das Gebäude nach und nach. Nach dem Tod des letzten Kommandeurs im Jahre 1638 wird die Commanderie von der Stadt beschlagnahmt. Sie wird jetzt zu einer Hochschule, der „Kwartierlijke Illustere School“. 1672 kommen die Franzosen in die Stadt und schließen die Schule wieder; das Gebäude wird zur Kaserne. Ab 1686 flüchten viele französische Protestanten in die Niederlande; in der Commanderie darf die Wallonische Gemeinde eine Kirche gründen.

 

…Ruine, Kneipe, Studentenhaus und Museum…

Die Bombardierung von Nimwegen 1944 zerstört die Wallonische Kirche und große Teile des Gebäudes. In den Folgejahren verfällt das Gebäude weiter. Um das Gebäude vor dem Abriss zu bewahren, eröffnet der Nimweger J. Th. van Weel 1952 in der Ruine ein Weinhaus, das schnell an Beliebtheit gewinnt.

Commanderie van Sint Jan Nijmegen in 1952Commanderie van St. Jan Nijmegen

1962 wird die Commanderie zur Sozietät der Studentenverbindung Roland. Ab 1969 wird mit der Restaurierung begonnen, aber der vollständige Wiederaufbau stellt sich als unmöglich heraus. Die Stadt übernimmt einen Teil der Restaurierung, um in dem Gebäude ein Museum zu eröffnen. Der Zustand der Commanderie aus der Zeit vor der Wallonischen Kirche wird wiederhergestellt, nur die Keller, das Türmchen und der westliche Teil bleibt stehen. Das 1655 erbaute Hauptportal ist heute immer noch zu bewundern; nicht in der Commanderie, sondern im Nimweger Rathaus, wo es 1894 hingebracht wurde. Das städtische Museum zieht 1998 aus, es liegt jetzt am Kelfkensbos und ist bekannt als Valkhof Museum.

…bis in die Gegenwart.

Heute ist die Commanderie ein Pilgerort für Genießer und Kulturliebhaber, an dem Sie unzählige Produkte schmecken können, allesamt handwerklich hergestellt durch lokale Unternehmen, versammelt unter einem Dach. So können Sie die Küche vom Restaurant de Hemel genießen, die Biere von Brauerei De Hemel, Kaffee von der Kaffeerösterei De Hemel, oder die Sonne im schönsten Biergarten von Nimwegen. Noch mehr Informationen? Lesen Sie diesen Zeitungsartikel aus dem Jahre 1958 (niederländisch).