Franseplaats 1 · Nimwegen · seit 1196
Acht Jahrhunderte
unter einem Dach
Hospital für Pilger. Kloster. Kaserne. Wallonische Kirche. Ruine. Weinhaus. Studentenverbindung. Museum. Und seit 1999 wieder das, was es 1495 auch schon war: ein Ort, an dem Bier gebraut wird.
In den Niederlanden gibt es wenige Gebäude, über die so viele Jahrhunderte hinweggegangen sind, ohne dass das Licht je lange aus war.
Das ist die Geschichte der Commanderie van Sint Jan, und der Menschen, die immer wieder etwas daraus gemacht haben.

1196
Ein Hospital für Pilger
Graf Alardus und seine Frau Uda gründen an dem Ort, der heute Franseplaats heißt, eine Herberge für Pilger und Kranke. 1214 gelangt sie in die Hände der Johanniter, der Ritter von Sankt Johannes, später der Malteserritter, die 1530 Malta von Karl V. erhielten.
Huis van de Nijmeegse Geschiedenis

1495
Elf Betten und ein Vorrat Hopfen
Ein Inventar von 1495 zählt elf Betten im Kloster, und Hopfen im Lager. Hier wurde also schon gebraut, fünfhundert Jahre bevor wir den ersten Kessel anzündeten.

1638
Vom Klosterorden zur Hochschule
In diesem katholischen Haus wird der erste protestantische Gottesdienst von Nimwegen gehalten. Als Protestanten danach einen Bildersturm wollen, schleppen katholische Nimwegener den Predigerstuhl nach draußen und verbrennen ihn auf dem Blauwe Steen. Nach dem Tod des letzten Komturs 1638 beschlagnahmt der Stadtrat das Gebäude, bricht die verfallene Kapelle ab, wo der Korenmarkt entsteht, und richtet dort eine Schule ein, die zur Akademie heranwächst: der ferne Vorläufer der Universität.
Nach 1672 dient das Gebäude als Kaserne. Ab 1686 flüchten französische Protestanten in großer Zahl in die Niederlande; in der Commanderie darf die wallonische Gemeinde eine Kirche beginnen. Der Platz davor heißt im Volksmund Fransche Kerkplaats, was zu Franseplaats verballhornt. 1894 zieht das 1655 gebaute Hauptportal zum Rathaus um, wo es noch immer zu bewundern ist.
Huis van de Nijmeegse Geschiedenis · commanderie-nijmegen.nl
22. Februar 1944
Ein Volltreffer
Das Irrtumsbombardement legt die Nimwegener Innenstadt in Trümmer. Die Commanderie erhält einen Volltreffer. Das Gebäude ist dann schwer beschädigt, aber noch zu retten. Was das Bombardement nicht vollendete, erledigten Anwohner: das Haus wird nach Baumaterial ausgeraubt. So verwandelt sich die Commanderie doch noch in eine Ruine, von der nur die Keller, das Türmchen und die westliche Spitze stehen bleiben.
Foto: Katholieke Illustratie, 1958, Archiv De Hemel

1952
Van Weel kauft eine Ruine
Der Antiquitätenhändler J.Th. van Weel kauft die Überreste von der wallonischen Gemeinde und beginnt zwischen den Trümmern Das Weinhaus. Er finanziert die Restaurierung vollständig aus eigener Tasche. Es wird rasend schnell ein Begriff.
1958 genehmigt die Gemeinde den Wiederaufbauplan De Vijf Heuvelen, ohne die Commanderie. Van Weel ficht den Abriss an. Er gewinnt.
Lies den Artikel von 1958 in der Katholieke Illustratie (pdf)
Huis van de Nijmeegse Geschiedenis · Katholieke Illustratie, 1958

1962
Freilichttheater und Studentenverbindung
Van Weel baut bei der Ruine der wallonischen Kirche ein Freilichttheater. Es kommt eine einzige große Vorstellung: Lanseloet van Denemarken, Juni 1962. Im Januar desselben Jahres verkauft er an die Universität, Het Wijnhuis wird die Verbindung des Studentenvereins Roland und bleibt das bis Ende der sechziger Jahre.
Huis van de Nijmeegse Geschiedenis

1974
Museum in einem wiederaufgebauten Haus
1969 wird das Gebäude Rijksmonument und die stillgelegten Restaurierungspläne werden wieder aufgenommen; 1970 beginnt der Wiederaufbau. Die romantischen Zutaten kommen heraus, das Haus wird auf den Zustand vor der wallonischen Kirche zurückgebracht. Am 28. Oktober 1974 öffnet das Nijmeegs Gemeentemuseum seine Türen. Die Pläne stammen vom Architectenbureau Leeuwenberg en Volders aus Utrecht, die Ausführung steht unter der Leitung von ir. J.L. Volders. 1998 zieht die Sammlung nach Kelfkensbos und geht in Museum Het Valkhof auf.
1969 bis 1974
Die Zeichnungen, mit denen dieses Haus neu aufgebaut wurde
Auf dem Zeichentisch des Architectenbureau Leeuwenberg en Volders in Utrecht wurde die Commanderie Linie für Linie neu erdacht. Fassade für Fassade, Schnitt für Schnitt, bis hin zu den Bäumen auf der Franse Plaats. Diese Blätter liegen bei uns im Archiv. Ziehe oder scrolle, um weiterzuschauen, klicke zum Vergrößern.





Originalblätter aus dem Archiv von De Hemel. Architectenbureau Leeuwenberg en Volders, Biltstraat 97 Utrecht.

1983
De Witte Raaf
Herm Hegger gründet Brouwerij De Raaf in Heumen, die erste niederländische Brauerei, die sich vollständig auf Spezialbier richtet. 1987 kommt daraus das erste niederländische Weißbier: De Witte Raaf. Es wird ein landesweiter Erfolg, bis ein Konzern Brauerei und Rezept kauft und De Raaf 1994 schließt.
biernet.nl · Brouwerij de Hemel

1996
Nach hundert Jahren wieder eine Stadtbrauerei
Am 14. Mai 1996 eröffnet Herm Hegger die Stadtbrauerei De Hemel im Brouwershuis an der Steenstraat. Zum ersten Mal seit fast einem Jahrhundert wird wieder in Nimwegen gebraut.

1999
Zurück in die Commanderie
Im September 1998 wird bekannt, dass Hegger die Commanderie von der Gemeinde kauft, für 2,5 Millionen Gulden. Im Februar 1999 zieht die Brauerei von der Steenstraat an die Franseplaats; am Ostersamstag, dem 3. April 1999, wird der neue Standort offiziell eröffnet. Es entstehen ein Brauereicafé, ein Lädchen und ein Empfangsraum für Führungen im Sudhaus, dem Saal, in dem heute noch gebraut wird und in dem zugleich das Restaurant sitzt. Anfang Mai 1999 öffnet das Restaurant Divas seine Türen im selben Komplex.
Huis van de Nijmeegse Geschiedenis (kroniek 1998) · biernet.nl · noviomagus.nl

2001
Kaffee in der Commanderie
Kaffeehaus und Rösterei Coffyn lässt sich an der Franseplaats 1 nieder: eine Initiative der Pflegeorganisation Pluryn, bei der Menschen mit einer Behinderung im Kaffeeatelier und in der Gastronomie arbeiten. Coffyn bleibt bis 2015 und zieht dann nach Malden.
coffyn.nl

2002
Hans de Roo übernimmt die Gastronomie
Die Brauerei bleibt bei der Familie Hegger; die Gastronomie geht an Hans de Roo über. Restaurant und Brauereicafé werden ein Betrieb unter einem Dach.

2011
Selmar und Ilfa
Im April 2011 übernimmt Selmar de Roo De Hemel von seinem Vater. Zusammen mit Ilfa baut er weiter, mit viel Liebe und Leidenschaft für das Fach und für dieses Gebäude.

2015
Ilfa beginnt Holy Beans
Coffyn zieht nach Malden. Statt den Kaffee gehen zu lassen, beginnt Ilfa de Roo im Dezember 2015 an derselben Stelle ihre eigene Rösterei: Holy Beans. Sie röstet dort den Kaffee für alle Betriebe des Horecalegioen. Seitdem wird hier unter demselben Dach Bier gebraut und Kaffee geröstet, ein paar Meter voneinander entfernt.

2019
De Pelgrim kommt dazu
Im März 2019 kommt De Pelgrim dazu, das Haus, das davor Plaats1 hieß und das 1999 als Divas begann. Zwei Betriebe in einem Denkmal, ein Innenhof, eine Küche, die ihr Bier von der Brauerei nebenan bekommt.
2025
Damals und heute
Eine gründliche Renovierung. Dieselbe Balkendecke, dieselben Mauern, dieselben kupfernen Kessel, aber so wie sie gemeint waren. Und ein Laden vor Ort, in dem alles, was hier gemacht wird, auch mit nach Hause kann.
2012 bis 2026
Schiebe die Jahre übereinander
Dieselben Mauern, dieselben Balken, dieselben kupfernen Kessel. Ziehe den Griff, um zu sehen, was in der Zwischenzeit geschehen ist.

20122026
20182026Das Fundament von Het Horecalegioen
Alles was Het Horecalegioen heute ist, begann hier, in einem Gebäude, das sich seit acht Jahrhunderten weigert zu verschwinden. Von De Hemel zu neun Betrieben in und um Nimwegen, Stück für Stück ikonische Orte mit einer eigenen Geschichte.
Historische Fotos: Sammlung Regionaal Archief Nimwegen (Fotopersbureau Gelderland / J.F.M. Trum) und Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed, beide CC BY-SA 4.0. Bild von 1958: Katholieke Illustratie, Archiv De Hemel.